Heft 12, Dezember 2004

ISSN 1438-9487

Neue Pepping-Dokumente ins Universitätsarchiv überführt

 

Bereits seit über einem Jahr arbeitet die Ernst-Pepping-Gesellschaft nun schon mit dem Archiv der Berliner Universität der Künste zusammen: Hier, am Einsteinufer, werden die Dokumente zu Leben und Werk Peppings gesammelt und für die Forschung bereitgestellt. Neuerdings sind an dieser Stelle auch sechs Autographe (je drei Chor- und Orgelwerke Peppings) aus dem Privatbesitz von Christiane Blume deponiert. Ergänzt wurden die Bestände außerdem mit diversen Drucken von Leipziger Konzertankündigungen und -programmen sowie mit einer Partitur von Das Jahr (mit einer handschriftlichen Widmung von Pepping an Friedrich Rabenschlag), die Lothar Bemmann der Gesellschaft übergab. Schließlich wurden unserer Gesellschaft auch von Manuel Doormann aus Minden einige Archivalien zu Pepping anvertraut (Schallplatte, zwei Originalbriefe, Buchveröffentlichung über Ludwig Doormann, Rezensionen). Und dessen Onkel, Herr Pastor i. R. Karl Helmut Barharn aus Göttingen, hat unlängst ebenfalls noch einige Briefe gefunden, die Pepping und Doormann austauschten, und unserer Gesellschaft übergeben. Allen Gebern sei herzlich gedankt.

Endlich: Planet Pepping entdeckt

 

Knapp 500 Planetoiden und Asteroiden wurden seit 1961 auf der Sternwarte Tautenburg registriert und benannt. Diese Zahl entspricht einem Zehntel aller bislang entdeckten Kleinsterne (mittlerer Durchmesser etwa 5 km), die im zentralen Minor Planet Center verzeichnet sind. Einer davon ist der Planet Pepping. 1989 entdeckt, befindet sich der kleine Asteroid zwischen Sternchen namens Strawinski und Grieg in guter Gesellschaft. Ob je Peppingianer aus dem All auftauchen, steht freilich dahin.

(Quelle: http://people.freenet.de/boerngen/listd.html)

Vorstandswahlen im April

 

Bitte Termin vormerken: Die nächste Mitgliederhauptversammlung unserer Gesellschaft findet in diesem Jahr bereits am 10. April 2005 in Berlin statt. Auf der Tagesordnung steht unter anderem die Wahl eines neuen Vorstandes. Um zahlreiches Erscheinen wird herzlich gebeten. Eine separate Einladung geht Ihnen wie immer rechtzeitig zu.

Die Weihnachtsgeschichte des Lukas – aus den Erinnerungen von Ludwig Doormann

 

Ludwig Doormann (1901-1992) zählt unstreitig zu den bedeutenden Interpreten von Peppings Vokalmusik. Einige Briefe, die Pepping an den Göttinger Kirchenmusiker verfasste, sind in dem Buch Ludwig Doormann. Ein Leben für die Kirchenmusik. Erinnerungen, Gespräche, Briefe, Berichte, hrsg. von Roderich Schmidt, Göttingen, Deuerlichsche Buchhandlung 1988, nachzulesen. Hier dokumentiert die Ehefrau Renate Doormann unter anderem Peppings äußerst positive Reaktionen auf eine Aufführung des Passionsberichts des Matthäus 1957 in Göttingen – so intensiv und mit solchem Verständnis für die Sache gesungen (Brief Peppings an Ludwig Doormann, 7. März 1957) – und auf eine im selben Jahr produzierte Einspielung der Motetten Jesus und Nikodemus und Komm, Gott Tröster durch die von Doormann geleitete Göttinger Stadtkantorei. Er, Pepping, sei glücklich über die ausgezeichnete Wiedergabe der Werke. Klanglich, in der Anlage, im Tempo, in der dynamischen Kontrastierung und in allem und jedem ist die Interpretation so, wie man es sich wünscht. (Brief vom 1. Oktober 1957). In dem folgenden Auszug erinnert sich Renate Doormann an die Vorgeschichte zur Uraufführung der Weihnachtsgeschichte des Lukas (S. 58-60).

Bei einem Zusammensein mit Ernst Pepping regten wir den Komponisten an, ein abendfüllendes Werk für die Weihnachtszeit zu schreiben. Sehr nachdenklich antwortete er: Ich werde es mir merken. Aber es ist schwierig, schon wegen der Frage, was man an anderen Texten dazusetzen soll. Wenn es mir aber gelingt, bekommen Sie die Uraufführung.

Im Sommer 1959 erreichte uns ein Brief von ihm, er habe die Weihnachtsgeschichte des Lukas vollendet, ob wir die Uraufführung des Werkes singen wollen. Das stellte uns vor eine schwere Entscheidung. Wir hatten für November die Strawinsky-Messe und Frank Martins In terra pax geplant und die Solisten dafür bereits engagiert. Außerdem war die Probenzeit für die Weihnachtsgeschichte sehr knapp, die Noten noch nicht gedruckt. Also, sollten wir es wagen? Nach einigem Zögern sagte mein Mann zu. Im August erhielt er die ersten Grünabzüge, die er nur mühsam lesen konnte. Erst im September standen uns die Chorpartituren zur Verfügung, die Arbeit konnte beginnen. So mußte dieses schwierige a capella-Werk in sehr kurzer Zeit erarbeitet werden. Die Uraufführung am 13. 12. 1959 war für uns alle ein großes Ereignis. Viele interessierte Chorleiter und Kritiker kamen, um sie zu hören. Pepping war auch anwesend und von der Aufführung sehr beeindruckt. Besonders gefallen hat ihm der doppelchörige Gesang der Engel: Ehre sei Gott in der Höhe, dessen erster Chor vierstimmig ist und auf deutsch singt, während der zweite Chor dreistimmig den lateinischen Text singt: Gloria in excelsis deo. Diesen zweiten Chor besetzte mein Mann mit Kinderstimmen, da er damals eine große Anzahl ungewöhnlich guter und musikalisch geübter Kinderstimmen hatte. Diese Aufteilung ergab eine Farbigkeit, die den Komponisten sehr begeisterte. Pepping bat uns, im darauffolgenden Jahr nach Berlin zu kommen, um das Werk dort in der Weihnachtszeit zu singen. Als es soweit war und wir uns bei ihm telefonisch ansagten, war seine erste Frage: Haben Sie die Kinder mitgebracht? Wir sangen dort zweimal, einmal in der Ostberliner Marienkirche, am nächsten Tag in Berlin-Steglitz in der Matthäus-Kirche. Von den beglückenden Begegnungen in Ost und West kehrten wir tief dankbar wieder heim. Die Aufführung wurde am 8. 1. 1961 in Göttingen wiederholt.

Über die Berliner Aufführung berichteten die meisten bundesdeutschen Zeitungen. Hier ein Auszug aus dem Heidelberger Tageblatt vom 5. 1. 1961: Einer der Höhepunkte des Berliner Weihnachtssingens war die Aufführung von Ernst Peppings Weihnachtsgeschichte des Lukas durch die Göttinger Stadtkantorei in der Matthäuskirche. ... Die Göttinger Stadtkantorei bewältigte ihre schwierige Aufgabe unter der Leitung Ludwig Doormanns mit vorbildlicher Artikulation, Textverständlichkeit und Intonationsgenauigkeit. Der Eindruck war stark. Man wird kaum fehlgehen, wenn man dieses jüngste Werk Peppings als eines der wichtigsten Werke der zeitgenössischen evangelischen Kirchenmusik bezeichnet.

Christian Schlicke

Ernst Pepping

Erinnerungen eines Organisten

 

Meine intensive Beschäftigung mit der Orgelmusik von Ernst Pepping begann Mitte der sechziger Jahre durch die Zusammenarbeit mit Gottfried Grote. Ich wirkte als Organist bei den meisten Konzerten des Berliner Staats- und Domchores unter Grote mit. Charakteristisch für Grotes Persönlichkeit war, wie er das Werk Peppings in die Mitte seines Künstlerlebens stellte. Grote schätzte Peppings Orgelmusik und Chormusik gleichermaßen. Dass meistens nur dessen Chormusik im Zentrum stand, ärgerte ihn: Das ist die Straßenmeinung!, sagte er wörtlich. Pepping selbst wiederum war unglücklich, dass weitgehend nur seine Chormusik aufgeführt wurde, selten aber seine Orchester- und Kammermusik.

Wenn Grote und ich Stücke von Pepping an der Orgel einrichteten, konnte sich Grote derart begeistern, dass er ganz außer sich geriet. Was sich hier alles zusammenmusiziert!, rief er bei der Chaconne von Concerto II aus. Das Nachspiel Komm, Gott Schöpfer, Heil'ger Geist  aus dem Großen Orgelbuch in Form von Ostinato-Fuge-Choral bezeichnete Grote als die bedeutendste Choralbearbeitung des 20. Jahrhunderts und setzte sie gleich mit Bachs möglicherweise auch trinitarisch gedachtem Werk Präludium und Fuge Es Dur aus dem Dritten Teil der Clavier-Übung. Immer mehr griff diese Begeisterung auch auf mich über, sodass in den meisten meiner Orgelkonzerte sowie in vielen Gottesdiensten Orgelstücke von Pepping nicht fehlen durften.

Allmählich kam es dann dazu, dass Pepping selbst immer wieder einmal an einer Orgelprobe teilnahm, z. B. 1968 vor der Uraufführung seiner Praeludia-Postludia zu achtzehn Chorälen. Für mich überraschend wünschte er sich durchaus fließende Tempi, während Grote oft bremste, damit ja keine schönen Stellen zu schnell vorübergehen. Das hatte oft ein gewisses Innehalten vor interessanten Akkorden oder polyphonen Besonderheiten zur Folge. Hier protestierte Pepping: Was heißt denn hier interessante Akkorde, deswegen dürfen Sie doch das Metrum nicht verletzen!

Zwar ist meiner Meinung nach eine ausgesprochen romantische Orgel nicht das ideale Instrument für Peppings Orgelmusik; für die romantische Komponente in seinem Werk sind jedoch gute Grundstimmen auch in den heute zumeist neobarocken Orgeln erforderlich. Pepping war schnell irritiert bei allzu dominanten Obertonregistern: Ich höre doch ständig Quinten. Ihr mit eurer Orgel! Wichtig war ihm, dass, wenn am Schluss eines Stückes ein langer Notenwert oder eine Fermate angegeben war, die Akkorde lange genug ausgehalten wurden, damit sich das Stück in ihnen sozusagen sammeln konnte.

Das Manuskript der Praeludia-Postludia lies sich schwer lesen. Trotz der schönen Notenschrift waren viele Notenköpfe undeutlich notiert, sodass die Exemplare mit einer Fülle verheerender Druckfehler zur Korrektur kamen.

Vor einer Rundfunkaufnahme seiner Partita Wer weiß, wie nahe mir mein Ende fuhr ich zu ihm in seine Wohnung im Spandauer Johannesstift, um ihn zu möglichen Druckfehlern zu befragen. Das Stück habe ich mindestens zehn Jahre nicht mehr gesehen, geschweige denn gehört, meinte Pepping. Ziemlich ratlos saß er vor seiner eigenen Schöpfung; die letzte Klarheit konnte in einigen Fällen nicht gefunden werden.

Im Übrigen war er sehr scheu, wenn man ihn auf sein Œuvre ansprach. Irgendwann hatte er seine Werke losgelassen und dem Interpreten übergeben. Diese Distanz zeigte sich auch, wenn er z. B. eine Fuge aus eigener Feder lange nicht mehr gehört hatte. Eigenartiges Stück!, rief er dann aus. Auf die Frage eines Konzertbesuchers, ob dem Komponisten seine Stücke immer gegenwärtig seien, äußerte er: Wie es im Allgemeinen ist, weiß ich nicht. In meinem Falle ist es nicht so.

Wie bei manchen großen Geistern kennzeichnete auch Pepping die Bescheidenheit. Ein Berliner Kantor hatte eine Konzertreihe konzipiert: Bach – Pepping. Diese Titulierung war ihm gar nicht recht: Es ist doch vermessen, mit Bach in einem genannt zu werden!

Was die Chormusik betraf, so wünschte er sich den objektiveren Chorklang. Tremolo war ihm sehr unerwünscht; wichtig war ihm eine große dynamische Abstufung im a cappella-Bereich. Das, was an klanglicher Verschiedenheit im Orchester durch die einzelnen Instrumentalgruppen gewährleistet ist, riet er, müsst ihr im Chor durch größtmögliche dynamische Abstufung zu erreichen versuchen. Er liebte wirkliches Pianissimo, gestützt durch echte tiefe Bässe. Leiter von Laienchören sind hier oft vorsichtig, weil dies schnell zu Lasten der Intonation gehen kann.

Ein Konzert, von dem er bis zum Ende seines Lebens immer wieder sprach, weil es vom Programm her seinen Intentionen ganz und gar entgegenkam, war eine Aufführung von Palestrinas Missa Papae Marcelli zusammen mit seinen Hymnen für Orgel. Diese sieben Stücke wurden vor, zwischen und nach den fünf Messesätzen gespielt. Messen von Palestrina und di Lasso nannte er stolze Werke. Die Verbindung der a cappella-Vokalpolyphonie mit seinen farbigen, sowohl polyphonen als auch impulsiv virtuosen Instrumentalstücken hatte ihn tief bewegt.

Ab und zu kam es zu privaten Einladungen. Seine Frau und er waren sehr gastfreundschaftlich und überaus großzügig. Viel und liebevoll haben sie sich nach Kindern erkundigt. Bei Mampe (gibt es nicht mehr) am Ku'damm bekannte er sich zu seiner Vorliebe für Kriminalromane. Nicht unerwähnt bleiben soll seine bekannte Liebe zu antiquarischen literarischen Kostbarkeiten.

Gern erzählte das Ehepaar von seinen Urlauben in Italien; später empfand Pepping Reisen als körperlich anstrengend. In den letzten Monaten seines Lebens führte seine Frau den gesundheitlich stark Geschwächten allabendlich eine kleine Runde im Stiftsgelände spazieren. Komponiert hat er damals schon lange nicht mehr. Offenbar hatte er als Komponist schon resigniert. Aber er wollte nicht sterben. Er wollte leben!, sagte mir seine Witwe bei einem meiner Besuche in ihrem idyllischen Gärtchen des Johannesstifts.

Kurz notiert ...

Als neue Mitglieder unserer Gesellschaft begrüßen wir Frau Irmgard Metzler aus Berlin und Frau Simone Pepping-Sattelberger aus Speyer. Herzlich willkommen!

In der Erlöserkirche in Hamburg-Farmsen fand am 13. September 2004 im Anschluss an die Jahreshauptversammlung ein Konzert mit Werken von Ernst Pepping statt. Die Kompositionen des Abends entstanden zwischen 1937 und 1942. Michael Gellermann, Kantor und Organist der Gemeinde, musizierte Zwei Fugen in c und f, die Choralvorspiele über O wir armen Sünder aus dem Großen Orgelbuch (1939), die Toccata und Fuge über Mitten wir im Leben sind (1941) sowie drei Choralbearbeitungen aus dem Kleinen Orgelbuch (1940). Das Hamburger Vokalensemble unter der Leitung von Klaus Vetter sang die Motetten Ein jegliches hat seine Zeit (1937), Jesus und Nikodemus (1938) und die Sechs Kleinen Motetten (1937). Allen Mitwirkenden sei für die Interpretationen und ihr Engagement sehr herzlich gedankt!

 


Impressum: Mitteilungen der Ernst-Pepping-Gesellschaft (ISSN 1438-9487),

im Auftrag der Ernst-Pepping-Gesellschaft e. V. hrsg. von Sven Hiemke, Hermann-Kauffmann-Str. 37,

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Erscheinungsweise: zweimal jährlich. Vertrieb: kostenlos für die Mitglieder der Gesellschaft.